Evangelische Kirche Thierstein/Höchstädt
Kirchengemeinde Thierstein

Die Johannes-Führer-Orgel zu Thierstein

Mehr als 60 Jahre lang sparten Generationen von Thiersteiner Gemeindegliedern für ein neues Instrument, und zwar seitdem die Vorgängerorgel, die eigentlich als Provisorium für die 1945 verbrannte Orgel gedacht war, 1953 gebaut wurde. 2016 war es endlich soweit, dass die neue Orgel nach mehrjähriger Bauzeit eingeweiht werden konnte. An den Gesamtkosten von 250.000 Euro beteiligte sich der Stadt mit 120.000 Euro.

Kurzer Abriss über die Geschichte der Orgel

Bis zum Brand der Kirche 1945 nach dem Beschuss durch die Amerikaner war in der Thiersteiner Kirche eine Orgel installiert, über die kaum etwas bekannt ist. Allerdings musste der Blasebalg der Orgel noch durch Muskelkraft der Sonntagsschüler oder Konfirmanden bedient werden, was natürlich zu einigen derben Späßen führte. Der Kantor wusste nie genau, ob die Buben auch richtig pumpten und so verstummte die Orgel des öfteren mitten im Lied.1945 kam man überein, dass die wieder aufzubauende Kirche eine Orgel der Fa. Dietmann aus Lichtenfels bekommen sollte. Sie war für den Übergang gedacht, bis die Kirche wieder eigenes Kapital haben würde und wenigstens bis Mitte der 60er Jahre halten sollte.

Am 11. Oktober 1953 wurde sie eingeweiht und hielt bis 2011, also fast 60 Jahre. Die Orgel hatte 11 Register und eine elektropneumatische Traktur.Nach jahrelangen Spenden, Verhandlungen mit weiteren Geldgebern war es 2013 soweit, die neue Orgel konnte bei der Firma Führer in München endlich bestellt werden.

Die Firma Führer beschreibt die neue Orgel wie folgt:

Die neue Thiersteiner Orgel umfasst 20 Register, was exakt 1060 klingenden Pfeifen entspricht. Die Register verteilen sich auf zwei Manualwerke und ein 5 Register umfassendes Pedal.Im I. Manual dem Hauptwerk befinden sich 9 Register mit 616 Pfeifen:

Principal 8´ Zinn-Blei (Prospektregister, d.h. zum größten Teil sichtbare Pfeifen)

Rohrflöte 8´ Fichte/ Zinn-Blei

Octave 4´ Zinn-Blei (Prospektregister, d.h. nur zum kleineren Teil sichtbar)

Blockflöte 4´ Zinn-Blei

Waldflöte 2´ Zinn-Blei

Quinte 3´ Zinn-Blei

Terz 1 3/5´ Zinn-Blei

Mixtur 1 1/3´ Zinn-Blei (bei der Mixtur erklingt nicht wie üblich eine Pfeife pro Ton sondern vier Pfeifen)

Trompete 8´ Zinn-Blei, Messing (Zungenregister, d.h. der Ton wird durch ein schwingendes Messingblättchen erzeugt)

Im II. Manual dem Schwellwerk befinden sich 6 Register mit 312 Pfeifen:

Gedeckt 8´ Fichte/ Zinn-Blei

Salicional 8´ Zinn-Blei

Vox coelestis 8´ Zinn-Blei

Traversflöte 4´ Holz/ Zinn-Blei

Principal 2´ Zinn-Blei

Oboe 8´ Zinn-Blei, Messing

Das Pedal bietet 5 Register mit 132 Pfeifen:

Subbaß 16` Fichte

Octavbaß 8´ Zinn-Blei

Gedecktbaß 8´ Fichte

Choralflöte 4´ Fichte

Posaune 16´ Blei, Messing, Fichte

Die beiden Manuale sind von C-g´´´ angelegt und verfügen jeweils über 56 Tasten. Das Pedal von C-f´ entspricht einem Umfang von 30 Tönen.Das I. Manual stellt das Hauptwerk dar. Wie der Name schon vermuten lässt und an der Disposition zu erkennen ist, ist dies das größte der drei Werke. Es befinden sich darin vielfältigste Registerfamilien.

Auf dem II. Manual befindet sich das Schwellwerk (einem geschlossenem, extra gedämmten Gehäuse nur für das 2. Manual). Der Schwelltritt wird per Fuß betätigt und steuert 8 „Schwellflügel“ an. Diese „Schwellflügel“ wirken wie eine Jalousie. Sind die Schwellflügel geschlossen sind Lautstärke und Obertöne der Pfeifen reduziert. Wird die Schwelljalousie hingegen geöffnet, tritt das Gegenteil ein und Obertöne sowie Lautstärke nehmen zu. Somit lässt sich eine sehr präzise und feinfühlige Abstufung von Dynamik und Klang erzielen.Das Pedal bietet mit 5 Registern und 132 Pfeifen umfangreiche Möglichkeiten zur Begleitung. Es stellt mit Ton C aus dem Register „Subbaß 16´“ den tiefsten Ton der Orgel. Diese Pfeife misst ca. 2,5 m Länge und eine Tonfrequenz von 32 Hz.Die Windladen, welche die Pfeifen mit Wind versorgen, bestehen zum größten Teil aus massivem Fichten- und Lindenholz.

Das sichtbare Vordergehäuse der Orgel ist aus Eichenholz gefertigt. Der hintere Gehäuseteil sowie die meisten Bauteile wie Bälge, Tontrakturen, Wellenbretter sind aus Fichtenholz.Außerdem wurden Harthölzer wie Weißbuche oder Ahorn für stark beanspruchte Mechanikteile verwendet.Alle Trakturen sind mechanisch angelegt. Darunter fallen die Spieltraktur, welche die Verbindung von Taste und Ventil herstellen, als auch die Registertraktur, deren Aufgabe die Steuerung der Register ist. Durch diese Art der Traktur stellt sich beim Organisten ein sehr „direktes Spielgefühl“ ein.Das Gebläse wird von einem Elektromotor betrieben. Die Balganlage besteht aus 4 Magazinbälgen, die vom Gebläse gespeist werden.


Die Thiersteiner Orgel
D.Buxtehude - Es ist das Heil uns kommen.mp3 (2.49MB)
Die Thiersteiner Orgel
D.Buxtehude - Es ist das Heil uns kommen.mp3 (2.49MB)

Tonbeispiel: Dekanatskantorin Consatnze Schweizer-Elser mit "Es ist das Heil uns kommen her" von Dietrich Buxtehude


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